2020, Blog, Kenya

Kenya: Digitalisierungsschub durch Corona

Durch die Corona-Krise erleben wir in Kenia einen weiteren Digitalisierungsschub. Durchgreifend betroffen ist dadurch der Finanzsektor und die Telemedizin.

Alle Banken und Zahldienstleister mussten radikal auf digitalisierte Zahlungsformen umschwenken. Die Zusammenarbeit mit unserem bereits weltweit anerkannten M-Pesa wurde massive ausgebaut. Die Nutzung von Bargeld soll faktisch abgeschafft werden. Auch um Infektionen zu vermeiden. Definitiv spielen auch andere Absichten eine große Rolle. Bspw. die Koruptionsbekämpfung.

Überweisungen von Bankkonten auf M-Pesa-Konten sind nun kostenlos. Tatsächlich haben uns Kenianer die Gebühren hart getroffen. Gleichzeitig hat die mobile Geldplattform M-Pesa die Kosten für Transaktionen von Beträgen in Kenianischen Schilling (KSH) reduziert und auf Null gesenkt. KSH 1000 und darunter zu senden, hat Unternehmen dazu ermutigt Rechnungen und Kassenzahlungen für einfache mobile Zahlungen zu öffnen. Ebenfalls zum Nulltarif.

Außerdem haben sie den Betrag, den man als Transaktionskosten für das Abheben von Bargeld verlangt, erhöht, um die Menschen vom Umgang mit physischem Bargeld abzuschrecken. Gleichzeitig wurden die Höchstgrenzen für aufgeladene M-Pesa-Konten von 140.000 KSH auf 300.000 KSH erhöht.

Die M-Pesa-Konten können jetzt gut zum Autokauf genutzt werden. Also die Dreckskisten, die Ihr in Europa nicht mehr wollt und Euch einredet, dass die Abschaffung eines Altwagens irgendwas Ökologisches hat. All das wird gemacht, um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen, die beim Umtausch von Bargeld eintreten könnte.

Die andere Entwicklung sind telemedizinische Dienste. Wenn man durch kenianische Krankenhäuser geht, findet man buchstäblich leere Krankenhäuser. Ärzten nutzen die Telemedizin, um den Kontakt mit dem Patienten zu vermeiden. Sonderfälle und kritische Fälle ausgenommen. Dadurch werden die Krankenstationen menschenleer. Die Krankenhausleitung wird gezwungen einen Teil des Krankenhauspersonals in den unbezahlten Zwangsurlaub zu schicken. Das führt zu Unsicherheiten beim Erhalt von Arbeitsplätzen und zu massiven Arbeitsplatzverlusten im Gesundheitssektor. Eigentlich total verrückt. Aber vor allem Krankenschwestern und Helfer fallen innerhalb telemedizinischer Dienste weg.

Die Menschen vermeiden Krankenhäuser aus Sorge vor einer Ansteckung. Das führt zusätzlich zu massiven Verwerfungen im Gesundheitssektor. Einen Dienstleistungssektor, den wir dennoch benötigen.

Die Nach-Corona-Zeit wird viele Veränderungen mit sich bringen. Menschen, die persönlich keine Nachteile aus den Neuerungen ziehen, werden leichter mit ihr umgehen können. Andere, und das werden nicht wenige Menschen sein, werden noch mehr kämpfen müssen.

 

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