2020, Blog

Corona: Gutes und Schlechtes – Teil 1

Die Corona-Krise trifft die ganze Welt. Wenn man den Ablauf mit Abstand betrachtet, kommt man sich vor wie in einem Science Fiction Film. Raumschiff Enterprise mit Captain Picard umkreist einen Planeten der von einer Seuche heimgesucht wird und man versucht ein Heilmittel zu finden. Ich glaube ein ähnliches Szenario gab es bei Star Trek – Deep Space Nine. Am Ende wird natürlich alles gut.

Kommen wir aber zum eigentlichen Thema: Fehlende Vorbereitung!

Notfallmanagement

Noch Anfang Februar beschwichtigte die Politik, auch das RKI, in Interviews und Stellungnahmen. „Wir sind gut vorbereitet“, hieß es. Ich persönlich habe es zu der Zeit auch noch nicht so ernst genommen wie jetzt, da alles weit weg war, aber diese konkreten Aussagen habe ich angezweifelt. Aus gutem Grund. Einerseits, weil ich mich politisch für derartige Szenarien interessiere, aber auch beruflich darauf bereits gestoßen bin.

Viele Kommunen, Organisationen und vor allem Firmen haben sich bisher gar nicht oder unzureichend mit Notfallmanagement beschäftigt. Wer im IT-Sicherheitsbereich arbeitet, weiß, dass zu einem Notfallmanagementkonzept immer auch der Verweis auf einen Pandemieplan enthalten ist. Im Sicherheitsbereich geht es nicht nur darum, dass alle wichtigen Systeme laufen, Angriffe abgewehrt und verhindert werden, sondern, dass die Arbeitsfähigkeit gesichert werden soll. Und dazu gehört auch der Umgang mit Situationen in denen großflächig Personal ausfällt: Eine Pandemie.

Vom Kern her müsste jedes Unternehmen einen Pandemieplan in der Schublade haben. Seit Jahren! So ein Pandemieplan muss verschiedene Punkte aufgreifen:

1. Wie viele Mitarbeiter benötige ich für die Aufrechterhaltung der Produktion (Kernaufgabe)?

2. Wie viele Mitarbeiter benötige ich für die grundlegende Personalverwaltung (Lohnzahlungen, Angelegenheiten Krankenkassen, Steuer) ?

Allein aufgrund dieser zwei Erhebungen kann man Entscheidungen treffen:

1. Wie viele Mitarbeiter kann ich technisch so ausstatten, dass ich sie unter Wahrung von Datenschutz und Informationssicherheit im Home-Office unterbringen kann, damit Kernaufgaben und Begleitaufgaben erledigt werden können?

2. Wie viele Mitarbeiter kann ich bezahlt freistellen, um bei Ausfällen in den Kernbereichen Personal auszugleichen?

3. Wenn ich das nicht kann, weil es sich bspw. um Handwerker handelt, die Reparaturen durchführen müssen, sollte ich prüfen, ob ich die Mitarbeiter mit Fahrzeug, Material und Werkzeug ausstatten kann, um sie selbständig agieren zu lassen. Man könnte nur getrennte geregelte Besuche zum Aufmunitionieren des Firmenfahrzeuges einplanen. Aufträge erfolgen elektronisch. Regeln im Umgang mit Kunden müssen festlegt werden.

4. Wer durch eine Pandemie keine Aufträge erfüllen kann, sollte Vertragsstrafen in allen Verträgen ausschließen, wenn Szenarien des Notfallmanagementkonzeptes auftreten. Der Kunde unterschreibt.

Wer diese Hausaufgaben gemacht hat, kann im Pandemiefall sein Personal trennen und Distanz einhalten. Dadurch sind die Chancen zur Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit gestiegen.

Dazu gehört auch die Aufklärung des Personals, dass alle auch im Home-Office Regeln einhalten müssen.

Die heutzutage mögliche technische Ausstattung ist kein Wunderwerk und auch nicht mehr sehr teuer, um ohne Büroaufenthalt seine Ziele zu erreichen.

Deshalb wage ich mal eine provokante Aussage: Unternehmen, die nicht vorbereitet waren und kein Notfallmanagement inklusive Pandemieplan vorbereitet haben, sind nicht würdig gerettet zu werden, da sie sich auf andere verlassen, statt die eigenen Pflichten zu sehen.

Natürlich gibt es auch Arbeitsbereiche in denen das schwer möglich ist. Es gibt eben keine 100%ige Sicherheit. Organisatorisch, technisch und menschlich ist jedoch viel möglich.

Wir sind jedoch nicht vorbereitet.

Bildung

Eine weitere Schwachstelle ist die Digitalisierung im Bildungsbereich.

Da wir effektiv seit 2005 keine Regierung mehr hatten, hängen wir hier hinterher. Wir sollten aus dieser Krise lernen, dass Schülerinnen und Schülern jederzeit die Teilnahme am Bildungsprozess ermöglicht werden muss und kann.

Allein durch Vernetzung und technische Maßnahmen. Selbst das Thema Schulpflicht wird auf die Tagesordnung kommen.

Warum soll der Lernprozess nicht permanent sein und unabhängig ermöglicht werden? Vielleicht will ich ja nicht in den Sommerferien in den Urlaub, sondern außerhalb der Hauptsaison? Die Kinder können trotzdem aktuell dem Unterricht folgen. Alles ist möglich!

Können wir seit der aktuellen Krise trotzdem positiv in die Zukunft schauen?

Natürlich. Die Vorzüge und Möglichkeiten zum Home-Office, effizienteres Verändern von Arbeitsabläufen – bspw. unsinnige Meetings und Besprechungen abschaffen – werden die Arbeitswelt verändern. Leitungsebenen in Unternehmen, Behörden und Organisationen werden die Vorteile des verteilten Arbeitens in die zukünftige Entwicklung einfließen lassen.

Ich bin überzeugt, dass, wenn Firmen das nicht tun, werden sie es schwerer haben an Personal zu kommen.

Diese Möglichkeiten sind nämlich für Mütter und Väter, oder Mitarbeiter, die jemanden zu pflegen haben, absolut attraktiv bei der Jobwahl. Außerdem wird unsere Sensibilisierung auf derartige Krisen vorbereitet sein zu wollen bereits jetzt gestärkt sein. Fehlentwicklungen werden von vielen Menschen intuitiv erkannt und Veränderungen angesprochen werden.

Die Einsparungen im Kraftstoffverbrauch bei Pendlern, Stromverbrauch in den Firmen (betriebswirtschaftlich, weil verlagert) und die Reduktion der Schadstoffe haben für uns alle Vorteile.

Bezogen auf die Arbeitswelt und im Bildungsbereich könnten wir vor einer neuen Epoche stehen.

 

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