2020, Blog

Amazon, die AWS-Cloud und die Konkurrenz

Dass Amazon mit seinen Preisen den Innenstädten schadet, wird kaum jemand bezweifeln. Wo kann man ansetzen, um das zu ändern? Es scheint etwas in Bewegung zu kommen.

Als Kommunalpolitiker weiß ich um die Probleme mit denen Städte und Kommunen zu kämpfen haben. Das Online-Geschäft zieht Kaufkraft aus den Flaniermeilen und Einkaufsstraßen. Es ist auch so verdammt bequem von der Couch aus zu shoppen und manchmal kann sogar noch am selben Abend das Paket in Empfang genommen werden. Jedoch kostet es am Ende Arbeitsplätze, Leerstand und unattraktive Innenstädte. Wir leben in einem Wirtschaftskreislauf. Das Geld, das ich verdiene, muss ich eigentlich wieder hier ausgeben, damit der Kreislauf am Leben bleibt. Lohn, Sozialversicherung, Gewerbesteuereinmahmen etc…

Für Politik und Unternehmen ist es auch eine Mammutaufgabe den Einkaufsbummel angenehmer zu machen als das heimische Sofa. Mit meinem Polit-Kumpel im Rat der Hansestadt Buxtehude hatten wir versucht so etwas ähnliches wie einen regionalen Onlinemarktplatz mit sauberem lokalen Lieferservice über die Wirtschaftsförderung zu initiieren. Die Konkurrenz wollte das aber nicht. Wenn Linke was fordern, ist das ja immer so Bähbäh. Hätten sie mal. Corona. Wissen schon.

Vor einigen Monaten hatte ich auch bereits über Alibaba und AliExpress geschrieben. Warum vom Zwischenhändler in Deutschland kaufen und den zwanzigfachen Preis bezahlen, wenn ich es direkt von der Fabrik bestellen kann? Das sind grundlegende Fragen, die zeigen, dass unser Wirtschaftssystem eine ziemlich große Illusion ist.

Amazon hat gute Preise. Das kann kaum jemand leugnen. Nicht selten gehen Leute in ein Geschäft und vergleichen am Regal die Preise des begehrten Objektes mit dem auf Amazon. Noch im Hinausgehen kann die Bestellung abgesendet werden.

In dem Beitrag den ich hier verlinke, hat jemand einige öffentliche Zahlen analysiert. Wenn die Analyse richtig ist, kann Amazon zw. 50% und 80% seines Gewinns seiner eigenen Cloud zurechnen. Sollte das wirklich stimmen, ist es gar kein Wunder, dass die Preise auf dem Marktplatz von Amazon zu niedrig sind. Amazon verdient tatsächlich gut mit seiner AWS-Cloud. Das ist nicht unbekannt.

Was könnte die Konkurrenz nun machen, um Amazon in diesem Bereich Kunden und Einnahmen abzunehmen?

Richtig. Eine eigene Cloud.

Die Schwarz-Gruppe, zu der LIDL und Kaufland gehören, wollen jetzt auch ins Cloudgeschäft groß einsteigen. Als Konkurrenz gegen Amazon und gezielt für deutsche und europäische Kunden, denen die Marktmacht von Amazon und den anderen US-Riesen zu gefährlich erscheint. Datenschutz soll eine große Rolle spielen.

Wenn man jetzt weiterdenkt, ist diese Entwicklung mit Blick auf mögliche Auswirkungen auf das Amazongeschäft von Interesse. Wenn sie es theoretisch schaffen würden signifikante Marktanteile von Amazon zu übernehmen, könnte es auch auf den Marktplatz von Amazon Auswirkungen haben. Da die Einnahmeseite entscheidend ist, wären steigende Preise beim Amazon-Marktplatz für viele Innenstädte ein Segen.

Warten wir mal ab. Dauern wird es so oder so noch.

 

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